Mein Auslandsjahr in Sharda University, Indien

Mein Auslandsjahr in Sharda University, Indien

Als Frau alleine nach Indien zu gehen, war kein leichter Schritt. Trotzdem habe ich mich für ein Auslandsjahr an der Sharda Universität beworben. Man wird in eine vollkommen neue Kultur geworfen: Anderes Essen, viele Gerüche und neue Kommilitonen. Aber durch gute Organisation und viel Offenheit hatte ich in meinem Auslandsjahr viel Spaß und habe nicht nur an der Universität viel Neues gelernt.

Ich packe meine Koffer und nehme mit…Ich wollte keinesfalls unvorbereitet nach Indien reisen und habe mich deshalb vorher an meiner Universität Vorträge besucht, die bei der Vorbereitung von Auslandssemestern helfen sollen. Auch der Austausch mit anderen Studenten, die schon in Indien waren hat mir sehr geholfen. 3 Monate vor Abflug habe ich ein Visum für Studenten beantragt. Das kann nicht am Flughafen erstellt werden, deshalb ist es wichtig, einige Wochen zuvor einen Antrag zu stellen. Bei meinem Hausarzt habe ich mir alle nötigen Impfungen abgeholt. Dabei zahlen Krankenkassen nicht jede Impfung und ich musste insgesamt ca. 200 Euro selbst zahlen. Nachdem die Formalitäten geklärt waren, ging es ans Packen. Von anderen Studenten wusste ich, dass ich auf Sonnencreme und Mückenspray keinesfalls verzichten sollte. Und das auch am besten im Doppelpack kaufen, da es in Indien oft schwer sein kann, die richtige Sonnencreme zu finden. Auch meine normale Hautpflege und Make-up habe ich auf Vorrat mitgenommen – von Kommilitoninnen habe ich erfahren, dass es schwer sein kann, das passende Make-up für helle europäische Haut zu finden. An Reisemedikamenten habe ich Mittel gegen Durchfall (wichtig!) und einige Schmerztabletten mitgenommen. Obwohl es in Indien mehrheitlich sehr heiß ist, habe ich viele lange, weite Kleidungsstücke gepackt – zu kurze Sachen würden in Teilen Indiens auf zu viel Aufmerksamkeit stoßen und ab und zu ist es so heiß, dass man die Haut ganz bedecken sollte, trotz Sonnencreme.

Die ersten Tage in Indien

Um einen Flug sollte man sich relativ frühzeitig kümmern, da kurzfristige Buchungen eines solchen Langstreckenflugs doch recht teuer werden können. Nach einem 8-Stunden Flug bin ich endlich in Delhi angekommen. Am Flughafen herrscht totale Hektik und Betriebsamkeit. Auf der Suche nach einem Taxi betrat ich dann das erste Mal indische Straßen und atmete die so typische indische Luft ein. Da mein Flug nachts landete, checkte ich für die erste Nacht in ein vorher gebuchtes Hotel ein. Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Tee und Paratha (ein typisch indisches Brot) machte ich mich mit dem Taxi auf den Weg zum Campus. Das internationale Büro empfing mich mit sehr viel Freundlichkeit und noch mehr Papierkram. Für alles benötigt man in Indien Passbilder, egal ob es der Ausweis für die Bibliothek, der LAN-Zugang oder die Mensa ist. Jeder einzelne Zugang wird separat erfasst und für alles benötigt man ein Passbild. Das internationale Büro schickte mich danach gleich weiter zur Hostelregistrierung. Für meinen Aufenthalt in Indien hatte ich mich in einem der universitätseigenen Hostels eingemietet, was nicht nur sehr sicher, sondern auch günstig ist. An der Sharda Universität gibt es insgesamt 11 Hostels, davon eines für ausländische Studenten. In den restlichen Hostels wohnen Frauen und Männer getrennt. Nach ca. einer Woche erst hatte ich alles soweit organisiert, dass ich mich auf die ersten Vorlesungen vorbereiten konnte.

Die Universität

Indien ist sicherlich kein Traumland für viele Studenten, die USA oder Australien wirken auf viele sicherer und besser organisiert. Ich war an der Sharda Universität. Sie liegt in Greater Noida, praktisch ein Außenbezirk Delhis im Norden Indiens. Sie liegt in Indiens bevölkerungsreichstem Bundesland Uttar Pradesh. Die Universität an sich ist riesig, nicht vergleichbar mit Deutschland. Elf verschiedene Gebäude beherbergen die verschiedenen Studiengänge. Ich habe ein Jahr lang Business Studies studiert, deshalb war ich nur selten in den angeschlossenen Laboratorien und Workshops. Aber Medizinstudenten waren durchweg begeistert von dem Standard, der dort herrschte. Die Universität hat eigene Sportplätze und ein Fitnessstudio, zu dem jeder Student kostenfrei Zutritt hat. Jeder eigene Campus hat auch eine eigenen Bibliothek, Cafés und kleine Shops. Unterrichtssprache ist Englisch, aber an der Universität hörte man täglich die viele verschiedenen Akzente und Sprachen des Landes. Den Vorlesungen zu folgen war nicht schwerer oder leichter als in Deutschland auch, die indischen Professoren waren allesamt sehr hilfsbereit.

Die Unterbringung

Wie schon erwähnt hatte ich mich für die Zeit meines Auslandsjahres in ein universitätseigenes Hostel eingemietet, dem Mandela Hostel. Durch die Unterbringung direkt im Hostel der Universität, ist man an der Universität in seiner eigenen kleinen Welt und bekommt erst einmal von Land und Stadt wenig mit. Monatlich hat mein Zimmer umgerechnet 45 Euro gekostet – mit Vollverpflegung. Spottbillig also. Eine Matratze und Bettzeug musste ich selbst besorgen, aber das war mit Hilfe einiger Engländer, die auch in meinem Hostel untergebracht waren, schnell gemeistert. Die Hygiene in meinem Hostel war wirklich top, von vielen anderen Studenten habe ich aber auch andere Horrorgeschichten gehört. Täglich kamen Putzfrauen und haben die Gemeinschaftsanlagen gesäubert. In den nicht internationalen Hostels sind Frauen und Männer strikt getrennt und es gibt sogar strenge Besuchszeiten.

Delhi

Nachdem ich die ersten Tage damit verbracht hatte, Papierkrieg zu führen, bin ich nach einer Woche zu meinem ersten Ausflug nach Delhi aufgebrochen. Bei meiner Ankunft Ende September war die Regenzeit fast vorbei und eine brütende Hitze erwartete mich. Der Verkehr ist mörderisch, Autos, Motorscooter und Rikshas sind überall – Verkehrsregeln scheint es kaum zu geben. Natürlich wollte ich zuerst auf einen typisch indischen Markt gehen. Die Gerüchte, Geräusche und das Angebote hauen Besucher beim ersten Mal glatt um. Es dauerte einige Wochen, bis ich mich an die Menschenmassen gewöhnt hatte. Sauberkeit und Hygiene sind mit deutschen Großstädten kaum zu vergleichen, auch etwas woran ich mich gewöhnen musste. An Armenvierteln fährt man genauso vorbei wie an riesigen Wolkenkratzern.

Das Essen

Das indische Essen ist mit allem was wir in Deutschland als “indisch” bezeichnen, nicht zu vergleichen. Wer gerne und viel Fleisch isst, ist in Indien fehl am Platze, denn die Esskultur besteht hauptsächlich aus vegetarischen Gerichten, was der Religion zuzutragen ist. Hat man die Auswahl zwischen scharf und mild sollten deutsche Gaumen immer mild wählen – was Inder als scharf bezeichnen ist in Deutschland kaum erhältlich. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase hat man sich aber an das Essen gewöhnt. Die Küche ist so vielfältig, dass ich in einem Jahr wohl kaum alles probieren konnte was Indien bietet.